Dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen geben
Unsere süss-urbane, weltoffene und grenzenlose Gesellschaft verehrt die Transparenz. Erzieht ihre Kinder zu nüchterner Klarheit und merkt nicht, dass eben diese Kinder, nun älter geworden, den nie erlebten Zauber des Alltags anderswo verzweifelt suchen. Doch das süsse Gift des Westens beschert uns keine Befriedigung. Es heischt immer nach mehr... bis die Notwendigkeit Einhalt gebieten muss.... (die alten Griechen nannten dieses Prinzip "Ananka", dem sich auch ihre Götter unterordnen mussten).
Da schwör' ich halt auf meine heissgeliebte Romantik. Es war wohl der letzte grosse Versuch, der Entzauberung der Welt durch Wissenschaftsgläubigkeit und Herrschaft der Vernunft die Intelligenz des Herzens und der Gefühle entgegenzusetzen. Für mich ist sie eine Philosophie, die mir zur Lebenshaltung wurde. Eine Philosophie, geschaffen von inspirierten Menschen, die den Machbarkeitswahn späterer Zeiten wohl ahnten...
Diese Philosophie erzählt mir in ihren verschiedensten Ausdrucksformen, was in der Welt und im Leben wirklich wichtig ist. Oder, wie Novalis sagte:
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Sie ist der Versuch, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen zu geben. |
Hier noch ein eindrückliches Beispiel der bedeutendsten Vertreterin der deutschen Romantik: Bettina von Arnim.
Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Hinab ins Tal, mit Rasen sanft begleitet,
Vom Weg durchzogen, der hinüber leitet,
Das weisse Haus inmitten aufgestellt,
Was ist's, worin sich hier der Sinn gefällt?
Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Erstieg ich auch der Länder steilste Höhen,
Von wo ich könnt die Schiffe fahren sehen
Und Städte fern und nah von Bergen stolz umstellt,
Nichts ist's, was mir den Blick gefesselt hält.
Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Und könnt ich Paradiese überschauen,
Ich sehnte mich zurück nach jenen Auen,
Wo Deines Daches Zinne meinem Blick sich stellt,
Denn der allein umgrenzet meine Welt.

